Interview mit Vera Simon

zu ihrem Buch 
"Das kleine Buch der Elfen und Feen"

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Im Februar 2004 ist dieses neue Buch von Vera Simon erschienen. Warum schreibt jemand über Elfen und Feen?
Über dieses Interview lernen Sie die Gedanken von Vera Simon zu dieser Thematik kennen.

Frage: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Buch zum Thema Elfen zu schreiben?
 
Vera Simon: Vor vielen Jahren ist mir mal ein Buch der Jahrhundertwende zum Thema Elfen in die Hand gefallen, mit wunderschönen Jugendstil-Illustrationen. Ein Kinderbuch, das mich fasziniert hat. Den Titel weiß ich leider nicht mehr. Von da an aber ließ mich das Thema Elfen nicht mehr los und ich recherchierte. Als ich dann alles beieinander hatte und der Text geschrieben war, hat es noch zwei Jahre gedauert, bis ich den Pattloch Verlag von dem Thema überzeugen konnte.

Frage: Wie lange hast du an "Das kleine Buch der Elfen und Feen" gearbeitet?
 
Vera Simon: Das kann ich gar nicht genau sagen. Über Jahre habe ich mir immer wieder Geschichten rund um das Thema Feen und Elfen ausgedacht, wieder verworfen, Konzepte gemacht. Irgendwann fand ich dann die richtige Form für das Thema und habe dann etwa sechs Wochen damit verbracht, das gesammelte Material in diese Form zu bringen, dass die Blumenelfe Florana die Leser in die Elfenwelt einführt.

Frage: Woher hast du deine Inspiration genommen?
 
Vera Simon: Puh, du stellst Fragen! Inspiration ist etwas, was nicht zu greifen ist. Weißt du immer, woher dir eine Idee kommt? Vielleicht war es eine Elfe, die mich inspiriert und auf meinem Weg des Schreibens begleitet hat.

Frage: Woran liegt es, deiner Meinung nach, dass dieses Thema wieder ins Bewusstsein vieler Menschen gerückt ist?
 
Vera Simon: Ich denke, viele Menschen spüren, dass die materielle Welt nicht alles ist, dass es eine Welt hinter der Welt gibt. Da der christliche Glaube, der ja in unseren europäischen Ländern verbreitet war, zum großen Teil verloren gegangen ist, bietet er nur noch wenigen Menschen heute Deutungsmuster der Wirklichkeit an. Viele wenden sich deshalb anderen Religionen oder spirituellen Strömungen zu. Dazu gehört auch der Glaube an Naturgeister, der in Europa den Glauben der Menschen vor dem Christentum beherrschte und unterschwellig durch die Jahrhunderte weiter wirkte. Romantiker und spirituelle Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts haben diesen Naturglauben unserer germanischen Vorfahren wieder zu beleben versucht - bis hin zu den abartigen Glaubenssystemen der Nationalsozialisten. In einer Zeit, in der die Kirche keine Kraft mehr hat, prägend zu wirken, übt der Glaube an Naturgeister große Faszination aus. Ein Glaube, der das Gefühl der Geborgenheit in schwieriger Zeit vermittelt, ohne radikale Anforderungen an das Leben des Menschen zu stellen.

Frage: Siehst du auch Gefahren, die in dieser Thematik stecken?

Vera Simon: Für "normal" veranlagte Menschen nicht. Für psychisch angeschlagene Menschen vielleicht schon. Ich meine, wenn Menschen aus psychischen Störungen heraus glauben, dass irgendwelche Geister, seien es gute oder schlechte, die Herrschaft über ihr Leben ausüben, dann ist das schon eine Gefahr. Das schränkt die menschliche Freiheit ein. Ich glaube aber, der Mensch ist frei - begrenzt allerdings durch Gene und Erziehung. Der Raum der menschlichen Freiheit ist groß. Jeden Tag können wir Entscheidungen treffen, die nicht von irgendwelchen geistigen Mächten bestimmt werden.

Frage: Wie stehst du selbst zur Natur und ihrem Zauber?
 
Vera Simon: Die Natur ist für mich das Angesicht Gottes. Klingt vielleicht etwas erhaben. Aber ich meine es so. Wenn es einen Gott gibt, und daran glaube ich, dann kann ich an der Natur ablesen, dass er Schönheit, Wahrheit, Reinheit, Harmonie etc. ist.

Frage: Glaubst du an die kleinen Naturwesen oder auch ähnliches?
 
Vera Simon: Naturgeister, Schutzengel und ähnliche Wesen sind für mich Symbole. Symbole für den Glauben, dass wir alle von einer höheren Macht, von Gott, umgeben sind, in ihm schwimmen wie in einem großen Ozean. Naturgeister oder Schutzengel sind für mich Versuche des Menschen zu beschreiben, dass sie dieser höheren Macht im Alltag begegnen, im Alltag Erfahrungen machen, die ihnen sagen: Es gibt einen Grund des Lebens. In anderen Religionen tragen die Naturgeister und Schutzengel andere Namen. Wie man sie bezeichnet, ist gleichgültig. Überall aber machen Menschen die Erfahrung, dass es das Numinose, Geheimnisvolle, Göttliche in ihrem Leben gibt. Nur die Deutungsmuster, die Bezeichnungen sind von Kulturkreis zu Kulturkreis verschieden.

Frage: Was fasziniert dich selbst ganz besonders zum Thema "Feen und Elfen"?
 
Vera Simon: Dass die Feen- und Elfenwelt eine Welt der Schönheit und Liebe ist. Im Grunde eine Art Paradiesvorstellung. Und ein Paradies auf Erden: Wer wünscht sich das nicht?

Frage: Wenn du ein Teil des kleinen Volkes sein dürftest, wer oder was würdest du sein?
 
Vera Simon: Am liebsten eine Elfe, die auf einem Regenbogen sitzt, ein Instrument spielt, der Sonne ins Auge lacht und das Leben auf der Erde mit einem humorvollen Lächeln betrachtet.

Frage: Elfen und Feen spielen den Menschen gerne einen Schabernack - welchen Streich würdest du gerne einmal spielen? Oder gibt es einen Streich, von dem du erzählen möchtest?
 
Vera Simon:
Oooch, da wüsste ich schon was. Wenn ich sehe, wie so genannte Wirtschaftbosse und Politiker in schamloser Weise, wo es geht, die Taschen vollstopfen, wären das für mich als Elfchen die richtigen Objekte für einen Schabernack. So mancher Wirtschaftskapitän, der sich über das hundertfache, zweihundertfache oder dreihundertfache Jahreseinkommen eines seiner Angestellten freut, ohne dass er das entsprechende leistet, würde sich wohl ganz verdutzt die Augen reiben, wenn ich als Elfchen nachts in das Computersystem seiner Hausbank eindringen und seinen Kontostand auf Null setzen würde. Das wäre für mich der schönste Streich, den ich mir vorstellen könnte.

Frage: Fühlst du dich zu einem der 4 Elemente (Wasser, Erde, Feuer, Luft) besonders hingezogen - und warum?
 
Vera Simon: Vielleicht zu der Luft. Vorhin hatte ich ja schon gesagt, dass ich am liebsten eine Regenbogenelfe wäre. Die Luft schenkt das Gefühl von Freiheit. Man schwebt über den Dingen. Das wäre wunderbar.

Frage: Du begegnest einer Fee und hast 3 Wünsche frei - welche wären das?
 
Vera Simon: Mein erster Wunsch wäre, dass sich die so genannten "kleinen Leute" nicht mehr alles gefallen lassen, was von Politikern und Wirtschaftbossen zu ihren Lasten entschieden wird. Der zweite Wunsch wäre eine wirklich gerechte Gesellschaft, eine Gesellschaft zwischen Kapitalismus, wie wir ihn haben, und Sozialismus, wie ihn die Länder des Ostblocks früher hatten. Und der dritte Wunsch wäre, dass sich Menschen - gleich welcher Rasse oder Religion - in Frieden und Liebe begegnen. Ich weiß, das alles sind sehr politische Wünsche. Aber ist es nicht so, dass die Politik unser Leben mehr bestimmt als alle Elfen und Feen der Welt?