Noch ein Apfelbäumchen pflanzen?

Es war schon einmal so weit. Damals im Jahre des Herrn 999. Kälber mit zwei Köpfen sollen geboren worden sein, die Sonne und der Mond sollen sich verfinstert haben, Flammenschwerter am Himmel ... Die Apokalypse war noch niemals so nah.

 

Und was hat die Erde gerettet? Die Tatsache, dass sich die fromme Christenheit in der entscheidenden Nacht des Silvester 999 in ihrer Gesamtheit zu Boden warf, um das Jüngste Gericht abzuwenden. Nun gut, vielleicht waren es auch nur ein paar Gerechte, die den Schrecken abwandten.

 

Wer aber wendet heute die apokalyptischen Wildnisse ab? Heute ist es nämlich wieder einmal so weit. Der Apokalypsekalender hat nur noch ein paar Blätter. Auf den letzten abgerissenen Blättern stand „Hiroshima“, „Tschernobyl“, „George Orwell, 1984“, „Global 2000“ etc. Ein paar der wichtigsten Daten im Zeitalter der Katastrophen.

 

Sind wir die Letzten unserer Art? Ja, schallt es aus dem Blätterwald. Ja, so verkünden etliche Bücher - nicht erst seit den Berichten des Club of Rome. Nicht jede dieser Veröffentlichungen erreicht das Niveau und die Detailverliebtheit des Klassikers des Katastrophengenres, der Geheimen Offenbarung des Johannes: „... und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermengt..., und der dritte Teil der Erde verbrannte...“

 

Ja, das Ende der Erde ist nahe - seit mehr als 2000 Jahren. Die zur Zeit beliebteste Horrorvision ist die globale Klimaverschiebung, medienwirksam inszeniert unter dem Titel „Die Natur schlägt zurück“. Die Erdatmosphäre soll sich um 1,3 bis 3,3 Grad Celsius aufwärmen, falls nicht in letzter Sekunde die Notbremse gezogen wird, der Kohlendioxidausstoß verringert wird. Ansonsten: Regenwälder werden Steppen, Steppen Wüsten, Gletscher und Polkappen schmelzen, ganze Inselgruppen versinken im Meer, Deutschland beginnt an den Mittelgebirgen.

 

Dies ist allgemeines Glaubensgut geworden, so heftig verteidigt wie Lehrsätze der katholischen Dogmatik. Aber stimmt das auch wirklich? Oder steht uns nicht vielmehr eine neue Eiszeit bevor?

 

Eine Theorie, die auch nicht von schlechten Eltern ist, besagt, dass die Menschheit sich durch die Überbevölkerung selbst abschafft. Kollektive Platzangst führt zu der Vermutung, dass die Natur irgendwo eine biologische Bremse eingebaut hat und es nicht länger duldet, dass der Mensch sich noch weiter ausbreitet. Raffen Seuchen (AIDS? „Killer aus dem Regenwald“? Die Rinderseuche, die auf den Menschen überspringt? SARS?) den Menschen dahin? Es gibt genug Anhänger dieser Theorie.

 

Die Theorie vom nuklearen Overkill allerdings ist in der Versenkung verschwunden, seitdem sich die Sowjetunion, einer der Akteure, auf den sich große Hoffnungen dieser Theorie richteten, selbst exekutiert hat. Viele Menschen fanden sich deshalb in einem apokalyptischen Vakuum und wandten sich aufgrund dieser weltpolitischen Konstellation wieder den religiösen Schreckensvisionen zu.

 

Von vielen wird wieder göttlicher Wille für den letzten großen Kanonendonner am Ende bemüht. Propheten, die vom Weltuntergang, herbeigeführt durch göttlichen Handstreich sprechen, finden spielend Anhänger. Unglaublich, welcher Unfug aus dem Mund dieser selbsternannten Visionäre aufs gläubig-naive Volk herniederprasselt. Z. B. will die Prophetin Gabriele Wittek, Mitgründerin der Heimholungswerkes Jesu Christi, des heutigen Universellen Lebens, sogar von einem UFO-Kommandanten Mairadi von dem Planeten Maiami-Chuli wissen, dass der Erde letztes Stündlein geschlagen hat.

 

Wir müssen da durch! Die Katastrophe lässt sich nicht verhindern. Auch der Unfug, der vermehrt gemeldet wird, lässt sich nicht verhindern. Die UFO-Meldungen werden zunehmen, die Angst vor Kometencrashs, die die Erde mit einem Schlag zertrümmern, die Entführung von Menschen durch Außerirdische ...

 

Es wird nichts helfen, wir müssen uns mit dem Blödsinn, den Propheten, Scharlatane, Visionäre, ja selbst Wissenschaftler über das nahende Weltende verbreiten, abfinden.

 

Womit wir uns aber nicht abfinden müssen, ist die Tatsache, dass mit solchem Humbug Geschäfte gemacht werden. Als denkende Individuen, die eigentlich nicht leben dürften, wenn die Weltuntergangsbefürchtungen um die erste Jahrtausendwende und die zweite Jahrtausendwende Wirklichkeit geworden wären, können wir uns jeglicher Geschäftemacherei mit der Apokalypse now entziehen.

Wie seriös sind die Katastrophenmeldungen, die mich immer wieder erreichen? In welchem Verhältnis stehen sie zu früheren Katastrophen der Weltgeschichte? Glaube ich an ein gutes Ende der Geschichte oder an ein schlechtes? Was würde ich tun, wenn ich wüsste, morgen geht die Welt zugrunde?