Der Fall Werner D.

Das hätte jedem passieren können. Eines Tages erhält Werner D. überraschend einen Anruf aus Essen. Ein gewisser Herr Molenkamp meldet sich am Telefon und behauptet, Werner D. gehöre aufgrund seines Einkommens zu dem ausgewählten Personenkreis, dem die Firma F. Geschäfte an der amerikanischen Börse vermittle.

 

Der angesprochene Ingenieur, der sein Geld bisher hauptsächlich in Sparbriefen bei Banken anlegte, zeigt sich nicht uninteressiert, besonders als von Optionen zum Kauf von Aktien eines amerikanischen Computerherstellers die Rede ist. Herr Molenkamp erläutert, der Aktienkurs dieser Firma müsse nur noch um wenige Punkte klettern, und der Wert der Optionen werde sich überproportional verbessern. In ein paar Wochen könne dann mit einer Rendite von bis zu 50 Prozent gerechnet werden.

 

Sagenhaft, denkt sich Werner D., will aber noch überlegen. Das Angebot ist so verlockend, dass er sich nach einem weiteren Gespräch mit dem Berater und einem mit dem Broker einer Firma, deren Sitz auf den Bahamas ist, zu einem Einsatz von 20 000 Euro entscheidet. Einspruchslos zahlt er über 2 000 Euro Einstandsgebühren (Agio) und lässt sich für jeden Kauf und Verkauf von Optionen über 200 Euro Gebühren in Rechnung stellen. Noch aber ist er vorsichtig. Als Werner D. dann jedoch täglich durch den Berater die steigenden Werte seiner Optionspositionen am Telefon durchgesagt bekommt, verkrümelt sich sein Verstand: Werner D. setzt so gut wie alles auf eine Karte und investiert 200 000 Euro für weitere Geschäfte.

 

Das Ende liegt auf der Hand: Die meisten Geschäfte landen im Sand. Der Geprellte lässt seine Optionen verkaufen. Zurück erhält er gerade mal ein Zehntel seines Geldeinsatzes. Was war geschehen? Der auf Geldsegen hoffende Werner D. war an verschiedene miteinander verflochtene Firmen geraten, die ihn ausnahmen: Überhöhte Gebühren, nachteilige Kommissionen, nachteilige Wechselkurse wurden berechnet - in Höhe von über 30 Prozent der Einzahlungen. Spesenschinderei nennt man so etwas, auf Englisch „churning“. Dazu kam: Die Firma, an die der gutgläubige Anleger zahlte, war nicht einmal bei der amerikanischen Brokervereinigung registriert, demnach auch nicht zum Handel an den dortigen Terminbörsen zugelassen. Nachforschungen ergaben auch, dass bei Geschäften, die von der Firma angeblich getätigt worden waren, Kurse angegeben wurden, die an den jeweiligen Tagen überhaupt nicht festzustellen waren.

 

Die von Werner D. beauftragte Rechtsanwaltskanzlei erreichte einen Arrest- und Pfändungsbeschluss, es wurden Vermögenswerte sichergestellt und vor Gericht ein Vergleich geschlossen, bei dem Werner D. etwa 70 Prozent seines eingesetzten Kapitals zurückgewinnen konnte. Seit dieser Erfahrung ist Werner D. von dem Wunsch geheilt, schnell Geld machen zu wollen. Die Firma, die ihn „betreute“, ist in der Zwischenzeit von Essen nach München umgezogen. Unter anderem Namen versteht sich.

Wie gehe ich mit meinem Geld um? Wie anfällig bin ich für die Versuchungen das schnelle Geld zu machen? Prüfe ich die Seriosität der Partner, die mein Geld verwalten? Oder bin ich in Gelddingen eher leichtgläubig?